Sch├╝leraustausch mit Zwierzyniec

Immer wenn das neue Schuljahr gerade begonnen hat, sich Schüler wie Lehrer an neue Klassenkameraden, neue Stundenpläne und allerlei sonstige neue Herausforderungen gewöhnen, begibt sich eine wagemutige Gruppe auf eine weite Reise. Im einen Jahr fahren etwa 40 Schülerinnen und Schüler der Hermann-Merz-Schule nach Zwierzyniec in Polen, im darauf folgenden Jahr besuchen ebenso viele polnische Schülerinnen und Schüler unsere Schule. Diese Jahr war es wieder einmal an der polnischen Gruppe den weiten Weg von Zwierzyniec nach Ilshofen auf sich zu nehmen. Auf der Landkarte sind es immerhin mehr als 950 Kilometer Luftlinie, die die beiden Ortschaften voneinander trennt – auf der Straße sind das dann noch viele Kilometer mehr, die in einem Reisebus sitzend bewältigt werden wollen.

 

 

Am Donnerstag, den 19. September war es endlich so weit: Nach zwei Tagen Busreise kamen unsere polnischen Gäste am Abend gegen 19:30 Uhr wohlbehalten aber müde in Ilshofen an. Auf dem Parkplatz spielten sich zwischen Bergen von Gepäck, Namensschildern, herumwuselnden Kindern, Eltern und Lehrern freudiges Wiedersehen ebenso ab, wie schüchternes Beobachten und Abwarten. Wie soll man sich auch unterhalten, wenn man selbst kein Polnisch, der Gast kein Deutsch und beide nur wenig Englisch sprechen? Aber nach einer halben Stunde waren mit Hilfe von Gesten, Wörterbüchern, dolmetschenden Schülerinnen und Lehrern und viel Lachen alle Fragen beantwortet und alle polnischen Gäste mit Ihren Gastfamilien auf dem Weg die erste Nacht in Deutschland zu verbringen.

Am Freitag hieß es für alle Beteiligten: Früh raus und zur Schule! Aber an diesem Freitag nicht zum „normalen“ Unterricht: Nach einer gemeinsamen Begrüßung der polnischen Schüler und Lehrer durch unseren Schulleiter Stefan Bauder besuchten die deutschen und polnischen Austauschschüler gemeinsam Workshops aus einem breiten Angebot. Beim gemeinsamen Filzen, Basteln oder Sport verflog die Zeit wie im Flug. Vor dem gemeinsamen Mittagessen in unserer Mensa besuchten unsere Gäste dann doch noch eine „normale“ Unterrichtsstunde zusammen mit ihren Austauschpartnern. Nach Maultaschen mit Kartoffelsalat verabschiedeten sich alle Schülerinnen und Schüler, polnische wie deutsche, ins Wochenende.

Ein sehr kurzes Wochenende! Denn bereits am Samstag morgen hieß es schon wieder: Treffen an der Schule. Nach einer kurzen Einführung in Technik und Spielregeln, Einteilung in gemischte Gruppen und Wettercheck machten sich sechs Gruppen mit GPS-Trackern auf in Richtung Leofels. Auf verschiedenen Pfaden dorthin galt es so viele Chaches, also absichtlich versteckte „Schatzkisten“, wie möglich zu finden und Schätze zu tauschen. Als besondere Spielart des Geocaching ließen unsere Schüler insgesamt sechs „Travel-Bugs“ mit Ziel Zwierzyniec in den Caches zurück. (Vielleicht ist der eine oder andere Bug ja schon vor unserer nächsten Reise nach Zwierzyniec am Ziel.) Als Belohnung erwartete die Geocacher in Leofels ein großes Lagerfeuer, Grillstöcke, Rote Würste und jede Menge Spaß in der Ruine. Von dort wurden die Schüler dann am frühen Nachmittag von den Eltern abgeholt – aber nur, um zu Hause kurz neue Kraft zu tanken für den nächsten Programmpunkt am Abend: Dann wartete die große Disco unserer SMV auf Tänzerinnen und Tänzer. Zu den Klängen aus der Disco wurden im Schulhof frische Pizzen und badischer Flammkuchen aus unserem Holzbackofen gereicht. Als die SMV die Disco dann zu vorgerückter Stunde ausklingen ließ, wären die tanzende Menge sicher noch gerne einige Stunden geblieben!

Nach dem Sonntag in den Familien trafen sich alle Teilnehmer wieder am Montag Morgen, um zusammen einen Ausflug zur BuGa nach Heilbronn zu unternehmen. Mit dem Reisebus ging es direkt nach Heilbronn. Auf dem Gelände der BuGa angekommen gab es einige Informationen rund um das Gelände und die Gartenschau selbst. Im Anschluss daran erkundeten die Schülerinnen und Schüler die BuGa auf eigene Faust. Eine wichtige Lektion, die unsere polnischen Gäste an diesem Tag über Deutschland lernen konnten war „… egal wie kalt und egal ob trocken oder naß: Ein Eis geht immer!“.

Auch am Dienstag morgen startete das Programm zunächst mit einer Busfahrt Richtung Heilbronn. An diesem Morgen lautete das Ziel aber: Audi Forum Neckarsulm. Nachdem die Schülerinnen und Schüler zunächst ausgiebig in verschiedenen Modellen Probe sitzen und diverse vorstellbaren und nicht vorstellbaren technischen Details ausgiebig begutachten durften, gab es eine 2-stündige Führung durch verschiedene Bereiche der Produktion. Dabei wurden alle Fragen der deutschen und auch der polnischen Schüler ausführlich beantwortet und das Staunen und die Begeisterung waren sprichwörtlich greifbar. An diesem Tag wäre sicher der Eine oder die Andere viel lieber mit einem R8 statt mit unserem Reisebus nach Ilshofen heim gefahren.

Nach den beiden Busreisen am Montag und Dienstag stand der Mittwoch wieder ganz im Zeichen von Schusters Rappen. Von Weckrieden aus führte eine ausgedehnte Wanderung durch die Wettbachklinge und durch die alten Gassen in die verschiedenen Ecken und Winkel von Schwäbisch Hall. Die Wanderung endete im Herzen von Hall, von wo aus die Schüler die Möglichkeit hatten in kleinen Gruppen loszuziehen und sich mit Souvenirs und Mitbringseln einzudecken und vielleicht noch die eine oder andere Postkarte nach Hause abzuschicken.

Ob diese Postkarte dann aber vor den Schülern in Zwierzyniec sein würde, darf bezweifelt werden. Denn am darauf folgenden Donnerstag Morgen hieß es bereits schon wieder Abschied nehmen! Nach einer ereignisreichen Woche verabschiedeten sich unsere polnischen Gäste wieder auf jenem Parkplatz, an dem Sie bei ihrer Ankunft begrüßt worden waren. Vielen Schülern fiel der Abschied sichtlich schwer und auch die eine oder andere Träne wurde im ganzen Abschiedstrubel beinahe unbemerkt vergossen. Und manche Austausschüler verabredeten sich schon für das kommende Jahr – dann allerdings auf der polnischen Seite der knapp 950 Kilometer langen Luftlinie in Zwierzyniec.

Das Lehrerteam für den Polenaustausch der Hermann-Merz-Schule Ilshofen